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Helmpflicht: Klettern in Albanien

Das Bovilla-Reservoir außerhalb der albanischen Hauptstadt Tirana ist ein Traum. Der See liegt hellblau zwischen den grünen Hängen und steilen Felswänden der umliegenden Berge. Wenn sich nicht gerade jemand auf dem Geröll der Passstraßen festfährt und die Räder durchdrehen, ist es hier friedlich und ruhig. Ich bin bereits zum zweiten Mal hier, denn schon auf meiner ersten Balkanreise 2021 hat es mich zum Klettern an diesen See verschlagen.


Vor ungefähr drei Jahren habe ich mit dem Klettern angefangen und ziemlich schnell bin ich in diesem Sport aufgegangen. Draußen sein, an sich selbst arbeiten sowie einen gesunden Zugang zur Angst finden: Sowohl der körperliche Aspekt als auch das Mindset beim Klettern haben mich schnell begeistert. Natürlich handelt es sich, allen Sicherheitsmaßnahmen zum Trotz, noch immer um eine Risikosportart und so ist es nicht ausgeblieben, dass ich hier und da kleinere Verletzungen und Prellungen in den vergangenen Jahren hatte.


Angst


Während Jana klettert, genieße ich den Ausblick. Gemütlich, ohne Helm und in Sandalen, stehe ich am Fuß der Wand. Beim nächsten Blick nach oben - Jana hat inzwischen ungefähr die Hälfte der 20-Meter-Wand erreicht - sehe ich, wie sich unter ihr ein Stein löst. Dass von der Wand mal etwas runterkommt, ist nicht unüblich. Dieser Stein ist aber nicht mehr etwas, sondern ein ziemlich sportlicher Brocken, und der kommt gerade mit Vollgas auf mich zu. Wenn ich in diesem Moment wirklich etwas gedacht habe, dann wohl ungefähr: Huiuiui, das könnte es gleich gewesen sein.


Intuitiv drehe ich mich zur Seite und schütze mir den Nacken mit den Händen. Der Aufschlag erwischt mich doppelt: einer am Hinterkopf und einer am Fuß. Auf seinem Weg nach unten scheint es den Brocken also nochmal gespalten zu haben. Ich fasse an die Wunde und der Dreck, der daran herunterrieselt, fühlt sich an wie Blut. Ich kann nicht einschätzen, wie schlimm es ist und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich in diesem Moment wirklich Angst.


Glück im Unglück


Die Mädels verbinden mir die Wunde, eine Narbe wird das wohl werden, aber wirklich schlimm ist es nicht. Trotzdem muss ich die Wand nach dem Unfall nochmal hoch, um mein Equipment vollständig wieder mitnehmen zu können. Die Anzeichen der befürchteten Gehirnerschütterung bleiben glücklicherweise in den nächsten Tagen aus, schlimmer hat es meinen Fuß erwischt. Ohne Helm und in Sandalen eben.


Solange nichts passiert, sieht das ziemlich lässig aus. Vielleicht habe ich mir dahingehend wirklich ein bisschen zu viel abgeschaut von Menschen, mit denen ich in der Vergangenheit klettern war. Aber wirklich lässig wirkte ich danach nicht mehr, humpelnd und mit Kopfverband. Ziemlich eindrucksvoll hat mir dieser Fels wieder vor Augen geführt, wie verletzlich mein Körper ist und dass ich Risiko vielleicht lieber einmal über- als einmal unterbewerten sollte. Ob ich wieder klettern gehe? Sicher. Aber sicher!



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