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Wandern im Balkan

Schon auf meiner ersten Balkanreise mit dem Van vor zwei Jahren hat mich die Region total begeistert: weite Hügellandschaften, hohe Gebirgsketten, wilde Flüsse und lange Küstenabschnitte. Landschaftlich gibt es im Balkan wohl kaum etwas nicht. Während mein Fokus damals auf Serbien, Bulgarien, Griechenland und Kroatien lag, war ich dieses Jahr vor allem in Rumänien und Albanien unterwegs und draußen: in dichten Wälder, auf weiten Wiesen, zwischen Bärenabdrücken, Schafherden und Seen.


Wandern in Rumänien


Noch vor unserer Abfahrt aus Făgăraș haben wir zwei tolle Wanderungen angetreten. An einem Tag sind wir knapp 20 km von Cincșor (Kleinschenk) über eine Hügelkette parallel zum Fluss Olt gewandert. Die sanften, sattgrünen Hügel sind für mich untrennbar verknüpft mit rumänischer Natur. Unterwegs haben wir Bärenspuren, Schafherden und Hirten getroffen, davon abgesehen war es still, sonnig und warm.


Einige Hirten haben uns in ihre Hütte eingeladen und uns vergorene Schafsmilch gegeben. Dass wir bis auf "Buna" (= Hallo) kein Rumänisch sprechen konnten, war den Herren ziemlich egal, also haben sie uns irgendwas erzählt und dazu wild gestikuliert, bis wir weiter unserer Wege gingen.


Außerdem sind wir - gemeinsam mit Marko, dem anderen Workawayer aus Făgăraș - über den Transfăgărășan gefahren, einen Bergpass, der sich quer durch die Karpaten schlängelt. Schon auf dem Weg nach oben haben wir vom Auto aus einen kleinen Braunbären gesehen, der auf einem Parkplatz den Mülleimer plünderte und bei geöffnetem Fenster ziemlich nah ans Auto kam, vielleicht um Essensreste von uns abzugreifen. Danach waren wir am Bâlea Lac eine gute Tour zu Fuß unterwegs bis zu dem darunterliegenden Wasserfall, auch hier nicht ohne Bärenspuren.



Peaks of the Balkans


Wandern in Montenegro


Plav, unser Zwischenstopp in Montenegro, liegt am Peaks of the Balkans, einem 192 km langen Fernwanderweg im Dreiländereck von Montenegro, Albanien und dem Kosovo. Schon länger hatte ich diese Tour auf dem Zettel, 10 Tage würde man regulär laufen, wir entscheiden uns jedoch - auch aufgrund des Wetters - für einige Tagestouren: eine in Montenegro und zwei in Albanien.


Schon am ersten Tag in Plav lernen wir Gerrit aus den Niederlanden kennen, der mit Freunden die gesamte Tour gewandert ist und uns einiges über die Strecke und ihre Tücken erzählt, sodass wir am nächsten Tag nach einer nächtlichen Badeaktion im See unsere Wanderung begeistert starten. Das lief allerdings nicht ganz nach Plan:


"Natürlich, wie sollte es bei meiner Navigation auch anders sein, verlaufen wir uns vom Feinsten, werden von einem Hirten zum richtigen Weg verwiesen, finden den trotzdem nicht und schlagen uns letztendlich querfeldein durchs Unterholz, während wir Klatschen und in unregelmäßigen Abständen schrille Töne abgeben, um die Bären zu verscheuchen, deren Hinterlassenschaften und Tatzenabdrücke wir schon gefunden haben. Immer dem kleinen, blauen GPS-Punkt auf Google Maps hinterher erreichen wir schließlich doch noch den eigentlichen Trail und den Hrid See." (Tagebuch vom 27.06.)


Wandern in Albanien


Die Wanderung des POB in Albanien lief dafür bedeutend besser. Von Theth aus sind wir mit großen Rucksäcken, Schlafsäcken und Isomatten gestartet, sind auf 12 km Distanz ca. 1.000 Höhenmeter auf den Gipfel und 700 Höhenmeter ins nächste Tal gewandert und haben dort in Rragam gezeltet bei einer älteren Frau mit ihrer Familie. Fließend Wasser gab es nicht, aber wir durften - nach Kommunikation mit Hand und Fuß - die Stehtoilette benutzen und bekocht hat sie uns am Abend auch: mit Gemüsesuppe und Kartoffelspalten, Brot und vergorenem Joghurt. Den kennen wir ja schon aus Rumänien.


Durch den sportlichen Aufstieg, sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg, ist diese Wanderung ziemlich fordernd, allerdings lohnt sich jeder Meter für die unglaublichen Ausblicke, auch wenn man zur Hauptsaison an ganz schön vielen anderen Menschen vorbeischauen muss. Dafür verläuft man sich aber auch nicht so schnell...



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